Wu-Stil Tai Ji Quan

MaYuehliang_editNachdem das Tai Ji Quan ab der Mitte des 17. Jahrhunderts über 5 Generationen ausschließlich innerhalb der Familie Chen weitergegeben wurde, akzeptierte Chen Changxing (1771-1853) etwa 100 Jahre später mit Yang Luchan (1799-1872) erstmals einen Außenstehenden als Schüler. Dieser wurde später für seine Kampfkunst sehr berühmt und unterrichtete am Hof des chinesischen Kaisers. Der Mandschure Wu Quanyou (1834-1902) erlernte als kaiserlicher Offizier hier die Kampfkunst von Yang Luchan und dessen Sohn Yang Banhou (1837-1892). Der Sohn Wu Quanyous, Wu Jianquan (1870-1942), wurde nach dem Ende des Kaiserreichs und dem Beginn der chinesischen Republik im Jahre 1911, zusammen mit anderen berühmten Wu Shu-Meistern seiner Zeit, nach Peking gerufen, um im Namen der “Forschungsgesellschaft für Leibeserziehung” Tai Ji Quan zu unterrichten. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Kunst an eine breite Öffentlichkeit weitergegeben, man sagt, das Tai Ji Quan sei “aus der Tür gegangen”. Im Zuge dieser Öffnung erweiterte Wu Jianquan das traditionelle Formenset um eine Langsame Form, mit der seither jede Tai Ji Quan-Ausbildung beginnt. Im Laufe der nächsten Generation verbeitete sich der Wu-Stil in der ganzen Welt, vor allem in Süd-Ostasien durch Wu Jianquans Söhne Wu Gongyi (1900-1970) und Wu Gongzhao (1902–1983), später aber auch in den USA und in Kanada. Wu Jianquans Tochter Wu Yinghua (1907-1996) heiratete im Jahr 1930 den Meisterschüler ihres Vaters, Ma Yuehliang (1901-1998). Ihr Sohn Ma Jiangbao lebt seit 1988 in Rotterdam und vertritt das Tai Ji Quan der Familie Wu in Europa. Nach dem Yang-Stil ist der Wu-Stil heute der am häufigsten praktizierte Stil des Tai Ji Quan. Der Wu-Stil bewahrte sich neben der traditionellen Handform (Schnelle Form) und der von dieser abgeleiteten Langsamen Form mehrere Waffenformen (Säbel, Lanze und Schwert) sowie ein umfangreiches Sortiment an Partnerübungen.